Keramik Maske, Paracas, Peru
Schweizerisch-Liechtensteinische Stiftung für archäologische Forschungen im Ausland
   
   
   

Paracas in Palpa: Archäologisches Projekt in Südperu

Die Paracas-Kultur (800–200 v. Chr.) an der Südküste Perus wurde 1925 durch einen spektakulären Fund von Mumienbündeln bekannt. Das archäologische Projekt «Paracas in Palpa» ist im Nasca-Gebiet angesiedelt. Vor den Untersuchungen der SLSA waren hier nur Einzelfunde der Paracas-Kultur bekannt. Eine bedeutende Rolle für die Kulturentwicklung im Nasca-Gebiet, insbesondere für die Entstehung der berühmten Geoglyphen der Nasca-Kultur, wurde der Paracas-Kultur abgesprochen. Im Rahmen der von der SLSA geförderten Untersuchungen in Palpa wurden jedoch zahlreiche Siedlungen der Paracas-Zeit identifiziert und bei Testgrabungen sogar Gräber gefunden. Hieraus ergab sich die Arbeitshypothese, dass die Nasca-Kultur nicht – wie die Lehrmeinung behauptet – von außen in das Nasca-Gebiet getragen wurde, sondern sich aus einem bedeutenden Entwicklungszentrum der Paracas-Kultur in Palpa selbst entwickelt hat.

Ausgrabungen in Pernil Alto (2004).

Ausgrabungen in Pernil Alto (2004)
Eines der Ziele der archäologischen Arbeiten in Palpa ist es, gesicherte archäologische Befunde zu allen Phasen der Kulturentwicklung des Untersuchungsraumes zu dokumentieren. Die Forschungen konzentrieren sich dabei auf die keramikführenden Phasen. Aus aussagekräftigen Fundzusammenhängen werden Proben zur Datierung mit physikalischen Methoden entnommen. Durch eine möglichst grosse Zahl an Datierungen soll eine numerische Chronologie für die Kulturentwicklung der Region erstellt werden, die als Referenz für andere Regionen dienen kann. Für diese Zielsetzung ist insbesondere das Teilprojekt Chronometrie von Bedeutung, in dem an einer neuen Methode zur automatisierten Aufbereitung von Proben für die AMS-Datierung gearbeitet wird. Die zahlreichen Radiokarbondatierungen, die in diesem Projekt produziert werden und die nach den Prioritäten der Archäologen angefertigt werden, bilden eine gute Grundlage für eine solche numerische Chronologie.

Keramik-Funde der Paracas-Zeit (2003). Fundplatz: Mollake Chico.

Die meisten Phasen der vorspanischen Kulturentwicklung in Palpa sind inzwischen durch Grabungen belegt. Forschungsbedarf besteht allerdings noch zu den frühen Phasen der Paracas-Kultur und den vorausgehenden frühesten keramikführenden Kulturen. An dem Fundplatz Jauranga konnten durch die Ausgrabungen der Kampagne 2003 die späten und die mittleren Phasen der Paracas-Kultur dokumentiert werden. Die frühe Paracas-Kultur konnte bisher nur durch wenige Funde nachgewiesen werden, so z. B. durch ein zum Teil geplündertes Grab an dem Fundplatz Mollake Chico. Dort waren jedoch nur wenige Siedlungsreste nachweisbar.

An dem Fundplatz Pernil Alto, am rechten Talrand des Rio Grande, waren bei einer Testgrabung genau diese frühen Paracas-Phasen und Funde der Initialzeit identifiziert worden. Dadurch ergab sich an dieser Fundstelle die Möglichkeit, den Übergang von der frühesten Keramik-führenden Kultur an der Südküste Perus zur Paracas-Zeit zu untersuchen.

Pernil Alto (2004). Ausgrabungsarbeiten und Entnahme von Radiokarbonproben.

Der gesamte Fundort, der sich an den Talhängen und in ein breites Trockental hinein erstreckte, wurde auf einer Fläche von etwa 200 m x 200 m topographisch vermessen. Es stellte sich heraus, dass die bei den Testgrabungen identifizierten Gebäude zu einer grossen Siedlung mit ausgedehnten Terrassenanlagen gehörte, die nicht – wie ursprünglich aufgrund der zahlreichen Keramikfragmente im Umfeld geplünderter Gräber angenommen – in die Nasca-Zeit, sondern vielmehr in die Paracas-Zeit und noch frühere Zeitstufen zu datieren sind. Bei Magnetometermessungen im Bereich des Testschnittes von Pernil Alto zeichnete sich eine grosse, rechteckige Struktur ab. Weitere Siedlungsreste, die auf eine recht ausgedehnte Siedlung hindeuteten, waren in beträchtlicher Entfernung an einem tiefer liegenden Hangbereich zu erkennen.

Die Testgrabungen wurden erweitert, indem zunächst eine Fläche von 5 m x 20 m augegraben wurde. In dieser Fläche wurden Gebäudereste freigelegt, die weitgehend den Magnetometerbefund widerspiegelten. Zahlreiche Mauerzüge und Böden bildeten mehrere Räume, die vier unterschiedlichen Bauphasen zugeordnet werden konnten. Nach einer vorläufigen Analyse muss es sich um einfache Siedlungsbauten gehandelt haben.

Entgegen den Erwartungen liess sich nur wenig Fundmaterial der Frühen Paracas-Zeit identifizieren. Ein Grossteil der Keramik ist der Initialphase zuordnen. Keramik dieser Zeit ist für die Südküste Perus noch kaum beschrieben. Das Fundmaterial von Pernil Alto wurde bisher noch nicht eingehend analysiert. Es handelt sich um einfache Gefässe mit wenig Dekor. Im Fundmaterial lassen sich jedoch Übereinstimmungen mit charakteristischen Formen des wenigen publizierten Materiales aus anderen initialzeitlichen Grabungen in Südperu (Hacha, Disco Verde) feststellen. Diagnostische Formen sind z. B. kubusförmige Gefässkörper und ringförmige Basen, die in der späteren Paracas-Keramik nicht mehr vorkommen.

Wegen der Trockenheit hat sich organisches Material in Pernil Alto sehr gut erhalten. In Architekturfüllungen sind viele Pflanzenreste enthalten, die eine botanische Analyse ermöglichen. Auch die zahlreichen Holzpfosten, die Teil der Architektur bilden, sind sehr gut konserviert. Aus diesen Holzpfosten wurden zahlreiche Proben für die Radiokarbondatierung entnommen. Zu einer ersten Probe liegt bereits ein Ergebnis vor. Das kalibrierte Alter liegt mit etwa 1100 bis 900 v. Chr. im erwarteten Bereich und lässt sich in den Zeitrahmen der bisherigen Schätzungen einordnen, die die Initialzeit zwischen 1800 und 800 v. Chr. datieren.

Gebäudereste und Gräber in einer Paracas-zeitlichen Siedlung (2003).

Paracas-zeitliche Gräber (2003).

Grabungskampagne 2003
In einer dreimonatigen Grabungskampagne wurden an dem Fundort Jauranga, in der Aue des Palpa-Tales, seit August 2003 zwei große Flächen von 10 x 10 m und drei Testschnitte von 2 x 3 m ausgegraben. Dabei wurden eine Siedlung und zahlreiche Gräber der Paracas-Kultur freigelegt. Die Paracas-Gräber wurden von Nasca-Gräbern überlagert, was die Siedlungskontinuität bestätigt. Bisher wurden 35 Gräber, in den meisten Fällen mit Keramikbeigaben, dokumentiert.

Die Funddichte am Grabungsplatz Jauranga war überraschend. Jedoch hatten schon die topographischen Vermessungen ergeben, dass die leicht erhöhte Terrasse innerhalb der Talaue einen idealen Siedlungsplatz darstellte. Vorausgehende geophysikalische Prospektionen (Magnetometer und Geoelektrik) hatten darüber hinaus Hinweise auf Siedlungsbefunde in diesem Bereich ergeben. Als besonders glücklicher und für die peruanische Archäologie außergewöhnlicher Umstand erwies sich, dass sowohl Gräber als auch Siedlungsbefunde vollkommen ungestört waren.

Eine Nasca-zeitliche Bestattung liegt über einem Grab und einem Gebäude der Paracas-Zeit (2003).

Paracas-zeitliche Geoglyphen an einem Berghang nahe Palpa (2003).

Die Ergebnisse sind äußerst bedeutsam für die Rekonstruktion der Kulturgeschichte der Südküste Perus. Die frühesten Gräber von Jauranga stammen aus der Mittleren Paracas-Zeit (7./6. Jh. v. Chr.). Sie werden überlagert von Gräbern der Späten Paracas-Zeit (5./4. Jh. v. Chr.) und der Nasca-Zeit (2. Jh. v. Chr. – 4. Jh. n. Chr.). Damit ist der Ursprung der Nasca-Kultur aus der Paracas-Kultur auch in Palpa bewiesen.

Der Ursprung der Nasca-Kultur aus der Paracas-Kultur lässt sich auch auf den Bereich der Geoglyphen übertragen. Während der Feldkampagne 2003 wurden zahlreiche neue Paracas-zeitliche Geoglyphen entdeckt, die sich aufgrund ihrer Ikonographie sehr frühen Phasen der Paracas-Kultur zuweisen lassen.

Für Datierungszwecke werden bei den Ausgrabungsarbeiten Proben entnommen und vor Ort notwendige Messungen vorgenommen. Alle Datierungen (Radiokarbondatierungen, Thermolumineszenzdatierungen, Datierung mit Hilfe der Methode der Optisch Stimulierten Lumineszenz) erfolgen im Rahmen eines separaten Projektes naturwissenschaftlicher Ausrichtung, von dem auch die Analysekosten übernommen werden.

Besticktes Gewebe der Paracas-Kultur (2002).

Grabbeigaben aus Paracas-zeitlicher Bestattung in Palpa

Keramik-Teller mit Felinen-Darstellung (2002).

Lage von Palpa an der Südküste Perus.


Dr. Markus Reindel, Projektleiter

Kontaktadresse:
Kommission für allgemeine und vergleichende Archäologie
des deutschen archäologischen Instituts
KAVA-DAI
Endenicher-Str. 41
D-53115 Bonn

reindel@kaak.dainst.de
www.dainst.de/de/abteilung/php?id=272


Terrassen, Paracas, Peru
 
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